Coworking – „Arbeite wo und wann du willst!“

„Arbeite wo und wann du willst!“ – im Silicon Valley schon lange eine Selbstverständlichkeit!

Silicon Valley – DIE Geburtsstätte für den Begriff der Coworking Spaces und des gemeinsamen und zeitflexiblen Arbeitens in innovativen und vor allem inspirierenden Umgebungen. Sonja, Referentin für StartUps im Wirtschaftsministerium, durfte auf ihrer kürzlichen LearningJourney nicht nur das StartUp-Ökosystem im Silicon Valley kennen lernen, sondern auch eine Vielzahl von Coworking Spaces besuchen. Wir wollten natürlich von ihr wissen, was die Amerikaner anders, aber vor allem besser oder schlechter machen.

Sonja, was hast du denn von deiner Reise bzw. dem Silicon Valley-Mindset für das Coworking mitgenommen?

Die ersten Coworking Spaces kamen bereits Anfang der 2000er in Kalifornien auf, d.h. im Silicon Valley sind Einzelbüros schon lange out. Dies liegt vor allem an der gelebten Mentalität: „Teile deine Idee, damit sie besser wird!“ und wo könnte man dies besser als in einem Coworking Space… Im Silicon Valley ist es egal, wann und wo du arbeitest. Hauptsache, du erreichst deine Ziele und bist innovativ. Für Innovationen und Ideen braucht es wiederum entsprechende Räume und Umgebungen und die Amerikaner wissen, wie man diese kreiert. Neben den gängigen Vorzügen wie WLAN-, Druck- und Kaffee-Flatrate sind die Coworking Spaces im Silicon Valley nicht nur gigantisch groß (gehen meistens über mehrere Stockwerke), sondern besitzen neben unterschiedlichsten Arbeitsumgebungen,  Rückzugsmöglichkeiten und Orten zum Energietanken (z.B. durch eine Partie Tischtennis, Kickern oder Tischcurling) meistens ein eigenes Café oder Restaurant.

Gab es einen Coworking Space, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Ja, definitiv das HanaHaus. Es befindet sich in dem ehemaligen Varsity-Theater, einem historischen Gebäude in Palo Alto, erstreckt sich über eine Fläche von knapp 1.400 m2 und besitzt ein eigenes Café, das neben Kaffee-/Teespezialitäten und Backwaren auch Frühstück, Mittag- und Abendessen anbietet. Neben offenen und geschlossenen Arbeitsbereichen (sowohl drinnen als auch draußen) und großen Veranstaltungsräumen werden hier Design-Thinking-Workshops, Innovations-Schaufenster, Hackathons, Musikveranstaltungen und vieles mehr angeboten. Die Idee für das HanaHaus hatte Dr. Hasso Plattner, Mitgründer der SAP und Vorsitzender des Aufsichtsrats. SAP will mit dem HanaHaus zum einen selbst mit den Menschen vor Ort gemeinsam neue Ideen verfolgen, in Projekten zusammenarbeiten und Innovationen vorantreiben, aber vor allem alle Unternehmensgründer, StartUps und kreative Menschen unterstützen, die das Ziel haben, mit neuen Geschäftsideen die Welt ein Stückchen besser zu machen.

Und wovon können wir uns nun eine Scheibe abschneiden?

Da in die Einrichtungen und Ausstattungen der Coworking Spaces im Silicon Valley ganz andere Investitionssummen als hier in Schleswig-Holstein fließen, könnt ihr euch davon leider nicht so viel abgucken. Was den Community-Gedanken angeht, können wir aber noch Einiges von den Amerikanern lernen. Im Silicon Valley gilt das „Pay it forward“-Prinzip, also das Gegenteil von „eine Hand wäscht die andere“. D.h., ich helfe jemandem, ohne selbst etwas davon zu haben. Aber diese Person wird jemandem helfen und diese wiederum jemand anderem. Weil jeder so denkt und handelt, werde ich früher oder später in den Genuss von Hilfe von jemand völlig anderem kommen.[1]

In erster Linie sollten sich aber Arbeitgeber eine Scheibe von den Unternehmen aus dem Silicon Valley abschneiden, denn diese haben schon lange verstanden, welche Vorteile Coworking mit sich bringen: Vernetzung, Wissensbereicherung und -austausch, über den Tellerrand hinausschauen und dadurch das Anstoßen neuer Ideen. Natürlich gehört dazu auch ein attraktives Bindungsmanagement an das eigene Unternehmen i.S.v. „Guck gerne, wie es Andere machen, aber bleib bei uns.“ Die Möglichkeit, flexibel und ortsunabhängig zu arbeiten, ist aber zumindest schon mal die beste Basis, die man seinen Arbeitnehmern als Chef geben kann.

[1] Quelle: „Das Silicon-Valley-Mindset: Was wir vom Innovationsweltmeister lernen und mit unseren Stärken verbinden können“, Dr. Mario Herger, März 2016.